Peters Weinpost vom 21. April 2020

 

21.04.2021

Hallo liebe Freunde/innen des guten fränkischen, argentinischen und spanischen Weines!

Der Weingeschmack der Bundeskanzlerin und was wir daraus lernen

Eigentlich wollte ich mich in dieser Kolumne mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigen und nicht mit Politik. Aber irgendwie hat es mich dann doch in den Fingern gejuckt, etwas über die Frau zu schreiben, die unser Leben mit ihrer Tafelrunde und den 16 Knappen seit einem Jahr so umfassend bestimmt, als wäre das Mittelalter zurückgekehrt. Und Junker Markus hielt seine, nicht ganz so frohe  Osterbotschaft sogar von der Nürnberger Reichsburg!  Dass wir Freunde des barocken Genusses, insbesondere ob der geschlossenen Restaurants nicht alles gutheißen können, ist selbstredend. So und jetzt müssen wir die Kurve zum Wein bekommen, sonst ist es vorbei mit der guten Stimmung. Also angeblich hat ein Reporter vor einem Jahr unsere Fürstenkönigin beim Einkaufen beobachtet und herausgefunden, dass es sich um französischen Burgunder von einem sehr großen Weingut in der Preislage zwischen 10 und 20 Euro handelte. Da der durchschnittliche Weinflaschen-Verkaufspreis in Deutschland bei mickrigen 3-4 Euro liegt, ist das schon mal gut, dass unsere Bundeskanzlerin im gehobenen Segment einkauft. Aber warum Weine von einem sehr großen Weingut, das Massen-Weine herstellt und mehrere Million Liter produziert? Und warum aus Frankreich? Bevor wir in die rechte Ecke abgleiten und ein „Deutsche Weine first“ ins Land posaunen, gehen wir davon aus, dass der holde Jüngling Macron unsere Kanzlerin bei einem Treffen überzeugt hat. Und da stellt sich mir die Frage, warum das der argentinische Präsident Macri nicht geschafft hat? Macron oder Macri. Das ist hier die entscheidende Frage! Denn vor ein paar Jahren war der oberste Gaucho auf Staatsbesuch in der Fürstenhauptstadt und die argentinische Botschaft lud zum Gala-Dinner ein. Und es gab einen wunderbar, fruchtigen Viognier aus San Juan, der es sogar mal zum besten Weisswein auf der größten deutschen Fachbesucher-Messe, der Prowein, schaffte. Plus den perfekten Domiciano Malbec (und Sie können auch noch den Reserva Malbec oder Gran Reserva Malbec von diesem Wein ordern), in der Nacht gelesen, intensiv und doch weich. Beide Rebsorten stammen ursprünglich sogar aus dem Burgund! Das wäre die einmalige Chance gewesen, dass Frau Merkel weg von Massen-Weingütern kommt und die kleinen, feinen Familien-Weingüter schätzen lernt. Und ist es nicht in der ganzen Corona-Politik so gelaufen - die grossen Industrie-Unternehmen wurden mit Kurzarbeit und ohne großen Hygienekonzepten hoffiert, sodass jetzt sogar Dividenden gezahlt werden! Die kleinen Unternehmen und Selbständigen hingegen mit Schließungen oder Almosen ruhig gestellt. Und jetzt wieder zurück zum Weineinkauf: filigranes, austariertes und komplexes Denken und Vorgehen geht wohl doch bei der Weinauswahl los. Also Augen auf beim nächsten Weineinkauf ;-)

nl-28-04-2021

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